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Branchennachrichten21. Aug. 2026Quelle: Solicitors Regulation Authority

SRA-Warnung verlangt klare Kontrolle beim KI-Einsatz in Kanzleien

Governance-Team einer Kanzlei prüft nach der SRA-Warnung Kontrollen für KI-Richtigkeit, Vertraulichkeit und Aufsicht

Die Solicitors Regulation Authority hat am 17. August 2026 einen Warnhinweis veröffentlicht, der die Verantwortung für KI-gestützte Rechtsarbeit eindeutig bei regulierten Kanzleien und Solicitors belässt. Der Hinweis schafft kein neues technisches Regelwerk. Er erläutert, wie bestehende Pflichten zu Kompetenz, Aufsicht, Vertraulichkeit, Dienstleistungsqualität und Rechenschaft gelten, wenn KI in Rechtsdienstleistungen eingesetzt wird.

Der Zeitpunkt ist relevant, weil die SRA nach eigenen Angaben zwischen Juli 2025 und Juli 2026 insgesamt 42 Meldungen über einen möglichen Missbrauch von KI erhalten hat. Laufende Untersuchungen betreffen unzutreffende juristische Zitate, unzureichende Aufsicht und Vertraulichkeitsfragen. Für Kanzleileitungen, Compliance-Teams und Verantwortliche für Legal Tech ist dies ein aktuelles Signal der Aufsicht: KI-Kontrollen müssen Teil der normalen beruflichen Governance sein.

Was der SRA-Warnhinweis zum KI-Missbrauch festlegt

Der Hinweis gilt für alle von der SRA regulierten Kanzleien und Personen. Er konzentriert sich auf Risiken, die der Aufsicht bereits begegnet sind, insbesondere falsche Informationen und die Vertraulichkeit von Mandantendaten.

Nach Auffassung der SRA müssen Juristinnen und Juristen KI-generierte Inhalte prüfen, bevor sie in Beratung, Analyse, Korrespondenz oder Schriftsätzen verwendet werden. Die Behörde warnt außerdem davor, vertrauliche Mandantendaten ohne angemessene Schutzmaßnahmen in KI-Werkzeuge einzugeben. Kanzleien bleiben für mit KI erstellte Arbeit verantwortlich, auch wenn Aufgaben an Beschäftigte oder Drittsysteme delegiert werden.

Der Warnhinweis verbindet diese Risiken mit bestehenden SRA Principles und Pflichten aus dem Code of Conduct. Kanzleien sollen die Beschaffung und Nutzung von KI wirksam steuern, Beschäftigte angemessen schulen, Arbeit risikogerecht beaufsichtigen und reagieren, wenn ein KI-bezogenes Problem Schaden verursacht haben könnte. Die SRA erklärt, dass sie den Hinweis bei regulatorischen Entscheidungen berücksichtigen wird.

Die Law Society of England and Wales begrüßte den Hinweis am selben Tag unabhängig. Sie betonte, dass KI die juristische Praxis unterstützen, aber die Rolle von Solicitors bei vertrauenswürdiger Beratung, korrekten Angaben gegenüber Gerichten und beim Schutz der Vertraulichkeit nicht ersetzen soll.

Warum Legal-AI-Governance operative Nachweise braucht

Eine Richtlinie zur zulässigen Nutzung ist sinnvoll. Sie zeigt jedoch nicht, ob Kontrollen in einem konkreten Mandat funktioniert haben. Aufsicht, Mandantschaft, Versicherer oder Gericht können wissen müssen, welches Werkzeug genutzt wurde, welche Daten eingegeben wurden, wer das Ergebnis geprüft hat, welche Quellen verifiziert wurden und wie auf einen Fehler reagiert wurde.

Damit wird die Gestaltung von Nachweisen selbst Teil der Kontrolle. Eine Kanzlei sollte eine KI-gestützte Aufgabe mit Mandatsverantwortung, genehmigtem Anwendungsfall, Datenklassifizierung, Prüfschritt und aufbewahrtem Nachweis verbinden können. Maetras Checkliste für KI-Compliance-Nachweise bietet eine praktische Struktur für Verantwortliche und Aktualitätsregeln.

Browserbasierte KI schafft eine besondere Transparenzlücke. Beschäftigte können Inhalte einfügen, Dateien hochladen oder private Konten außerhalb eines genehmigten Ablaufs nutzen. Kontrollen werden deshalb sowohl bei der Beschaffung als auch am Interaktionspunkt benötigt. Der Leitfaden zu Interaction Guard erläutert, wie Kontenidentität, Eingaben, Einfügen, Dateien und geschäftliche Begründungen diese Grenze unterstützen können.

Maßnahmen für SRA-regulierte Kanzleien

Verantwortliche für Recht, Risiko und Technologie können den Warnhinweis in sechs Arbeitspakete übersetzen:

  1. Nutzung inventarisieren. Erfassen Sie Werkzeug, Verantwortliche, juristische Aufgabe, Kontotyp, Datenzugriff, Integration und mögliche externe Wirkung. Browserwerkzeuge und informelle Nutzung gehören dazu.
  2. Informationsgrenzen definieren. Legen Sie fest, welche Mandanten-, privilegierten, personenbezogenen, geschäftlich sensiblen oder gerichtsbeschränkten Informationen in welches System gelangen dürfen.
  3. Angemessene Prüfung verlangen. Bestimmen Sie, welche Fakten, Fundstellen, Zitate, Berechnungen und Schlussfolgerungen unabhängig geprüft werden müssen. Eine überzeugende Formulierung beweist keine Richtigkeit.
  4. Aufsicht zuweisen. Benennen Sie die für das Mandat verantwortliche Person, die prüfende Person und die Bedingungen für eine erfahrenere oder spezialisierte Prüfung.
  5. Änderungen kontrollieren. Prüfen Sie ein Werkzeug neu, wenn sich Modell, Speicher, Konnektoren, Aufbewahrung, Bedingungen, Berechtigungen oder Hosting ändern.
  6. Vorfallnachweise aufbewahren. Dokumentieren Sie Eingabeklasse, Werkzeug und Version, wesentliche Ausgabe, Prüfentscheidung, Korrektur, mögliche Wirkung und regulatorische Bewertung. Bewahren Sie nur notwendige und rechtmäßige Inhalte auf.

Diese Schritte sollten an realen Mandatstypen getestet werden. Eine Übung kann untersuchen, wie die Kanzlei reagiert, wenn ein erfundenes KI-Zitat in einen Schriftsatz gelangt oder vertrauliches Material über ein nicht genehmigtes Konto eingegeben wird.

Was der Warnhinweis nicht feststellt

Der Hinweis ist weder Gesetz noch Zertifizierungsstandard. Er genehmigt keine bestimmten Produkte und garantiert nicht, dass eine einzelne Kontrollliste in jedem Fall ausreicht. Die passende Reaktion hängt von Rechtsdienstleistung, Mandantenanweisung, Daten, Nutzerkompetenz, Anbieterbedingungen und Fehlerfolgen ab.

Auch die Zahl von 42 Meldungen ist eine Eingangsgröße der Aufsicht und keine gemessene Schadensquote für den gesamten Berufsstand. Da Untersuchungen laufen, dürfen Vorwürfe und Bedenken nicht als abgeschlossene Feststellungen dargestellt werden.

Maetra-Analyse: Richtlinie und Mandatsnachweis verbinden

Verantwortung kann weder an das Modell noch an den Anbieter delegiert werden. Kanzleien brauchen eine sichtbare Kette vom genehmigten Zweck über Datengrenze und menschliche Prüfung bis zu Entscheidung und Nachweis.

Beginnen Sie mit einem folgenkritischen Ablauf, etwa gerichtlicher Recherche oder Prüfung von Mandantendokumenten. Ordnen Sie die Berufspflichten zu, weisen Sie jeder Kontrolle und jedem Nachweis eine verantwortliche Person zu und definieren Sie die Aktualitätsprüfung. Maetras Framework-Arbeitsbereich unterstützt die Übersetzung von Pflichten in kontrollierbare Arbeit, ohne den SRA-Hinweis als neues eigenständiges Framework zu behandeln.

Quellen

SRA-Warnung zu KI-MissbrauchKI-Governance in KanzleienKI-Compliance im RechtssektorKI-Vertraulichkeit
SRA-Warnung verlangt klare Kontrolle beim KI-Einsatz in Kanzleien | Maetra Insights